16.09.2014 | Architektur  
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Dr. Clemens Demacsek

Thermische Sanierung und Gestaltungsvielfalt schließen sich nicht aus

Thermisch mangelhafte Gebäude und viele Bausünden aus früheren Jahrzehnten lassen sich mit neuen Fassadensystemen optisch aufwerten. Dämmstoffkritiker hingegen befürchten eine Beeinträchtigung der "schönen" Architektur und prophezeien das Ende der Baukultur.

© Austrotherm© Austrotherm

Individuell gestaltete Gebäudefassaden leisten durch ihr Erscheinungsbild einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Identität und geben den Quartieren und Städten ihr unverwechselbares Gesicht. Um die im Rahmen der Energiewende festgesetzten Ziele des Klimaschutzes sowie der Energieeinsparung erreichen zu können, müssen aber auch solche Gebäude oft einer energetischen Modernisierung unterzogen werden. Bis zum Jahr 2050 soll der Primär-Energiebedarf von Gebäuden um 80 Prozent gesenkt werden. Gedämmte Fassaden lassen beispielsweise über Farbgebung und Strukturen eine Vielzahl von individuellen Gestaltungsmöglichkeiten zu. Dämmung hat nicht zwangsläufig eine optische Vereinheitlichung zur Folge, sondern kann mithilfe anspruchsvoller Putzsysteme und anderer architektonischer Stilmittel, wie Fassadenprofile oder Zierelemente, kreativ gestaltet werden. Darüber hinaus besteht stets die Möglichkeit einer Innendämmung, die die Außenfassade überhaupt nicht beeinträchtigt.

Kritiker sind der Meinung, eine flächendeckende thermische Sanierung führe zum Identitätsverlust eines Stadtviertels. Gedämmte Gebäude werden ihrer Eigenarten beraubt und allesamt gleichgemacht. Am 03.04.2014 äußerte sich Dietmar Steiner vom Architekturzentrum Wien gegenüber dem Hamburger Abendblatt in dieser Richtung. Es sei eine architektonische Katastrophe und kulturelle Sünde, Backstein hinter Wärmeverbundsystemen verschwinden zu lassen. Der Verlust der Klinkerkultur wäre eine so große kulturelle Entwurzelung, dagegen ist jeder energetische Gewinn zu vernachlässigen.

Was ist Ihre Meinung? Denken Sie, dass sich auch gedämmte Fassaden durch verschiedene Maßnahmen individuell und attraktiv gestalten lassen? Dann klicken Sie „ICH STIMME ZU“. Oder sind Sie der Meinung, dass die mit Wärmedämmung versehenen Gebäude einer optischen Gleichmacherei unterzogen werden? Dann klicken Sie „ICH STIMME NICHT ZU“. Ihre Meinung zählt!

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  1. Markus Burger - vor 4 Jahren

    Mein Name ist Markus Burger und ich bin als Projektleiter bei Fa. WRS Energie- u. Baumanagement GmbH angestellt.

    Unser Kerngeschäft besteht darin, öffentliche Gebäude im Speziellen Kindergärten und Schulen in Bezug auf den Energieverbrauch zu sanieren. Unser Augenmerk legen wir dabei nicht nur auf die thermische Sanierung der Gebäudehülle sondern auch auf die Optimierung der haustechnischen Anlagen. Wir bieten unsere Leistungen als Generalübernehmer oder auch Totalunternehmer an und garantieren zusätzlich zur Gesamtkostengarantie auch über längere Zeiträume den Energieverbrauch.

    In Zusammenhang mit der thermischen Sanierung der Gebäudehülle stellt sich die Herausforderung mit welchem Material die Verbesserung der Außenhülle erfolgen soll. Nachdem wir mit Gemeinden zusammenarbeiten sind die Gesamtkosten der Sanierung sehr oft im Vordergrund. Unter diesem Aspekt erfolgt daher die Sanierung vielmals mit Außenwand Wärmedämmverbundsystemen.

    Ich stimme der Meinung von Dr. Demacsek mit folgendem Hintergrund zu:
    Wenn das Sanierungssystem A.-WDVS gewählt wird, kann man durchaus mit Fassadensprüngen durch z.B.: unterschiedliche Dämmstärken Akzente in der Gestaltung der neuen Fassade erreichen. Ich bin allerdings der Auffassung eine einheitliche durchgehende Hülle über Gebäude zu stülpen ist der falsche Ansatz. Aus diesem Grund sollte man wie bereits angeführt bei bautechnisch besonderen Gebäuden ein alternatives Sanierungssystem wie z.B.: Innenwand-Dämmungen mit Foamglas oder Ähnlichem der Außenwanddämmung mit A.-WDVS vorziehen.

    Abschließend bin ich der Meinung, dass bei einer sorgfältigen Detailplanung für die A.-WDVS-Fassade besonderes Augenmerk auf Sockeldetails zu legen ist. Unter diesen Voraussetzungen ist eine kostengünstige und dauerhafte sowie architektonisch ansprechende thermische Sanierung von bestehende Gebäudehüllen mit A.-WDVS möglich ist.

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