17.11.2014 | Brandschutz
Kommentare (0)

Dir. Ing. Dr. Kurt Giselbrecht

Ursachen und Auswirkungen von Gebäudebränden: eine statistische Analyse

Wenngleich nacktes Zahlenmaterial die menschliche Tragik bei Gebäudebränden mit Todesfolgen völlig außer Betracht lässt, so können durch diese statistische Analyse dennoch wertvolle Rückschlüsse gewonnen werden. Daneben ergeben sich interessante Vergleiche mit Risiken anderer Lebensbereiche.

 
    0

Datenherkunft und Vergleich mit Todesursachenstatistik

Der Autor hat im achtjährigen Beobachtungszeitraum von 2006 bis 2013 durch tägliche Internetrecherchen und zusätzliche Erhebungen umfangreiche Daten über die in Österreich aufgetretenen Gebäudebrände mit Todesopfern erhoben. Nach dem Herausfiltern jener Ereignisse, bei denen Mord bzw. Selbstmord in Verbindung mit einem Gebäudebrand aufgetreten sind oder bei denen der Tod bereits vor der Brandentstehung eingetreten ist, verbleiben für die statistische Auswertung 337 Einzelereignisse mit insgesamt 368 Brandopfern.

Im Jahresschnitt kommt es in Österreich somit zu 42 Gebäudebränden mit durchschnittlich 46 Toten, was 5,5 Toten pro Million Einwohner entspricht. Für den Zeitraum von 2006 bis 2013 gibt es entsprechend den veröffentlichten Zahlen der Todesursachenstatistik der österreichischen Wohnbevölkerung dagegen pro Jahr nur 33 Todesfälle durch „Exposition gegenüber Rauch, Feuer und Flammen“ mit der zugehörigen Vergleichszahl von 3,9 Toten pro Million Einwohner. Die vom Autor erhobe-nen Opferzahlen sind also durchschnittlich um etwa 30 % höher als jene der Todesursachenstatistik. Die jährlichen Vergleichszahlen der statistisch erfassbaren Brandopfer sind in Abbildung 1 dargestellt.

Bauweise

Recht interessant sind – wie in Abbildung 2 dargestellt – die Ergebnisse der Gebäudebrände mit Todesfolgen unter Bezug zur Bauweise der Objekte. Wenngleich 75 % der Brandereignisse in Mas-sivgebäuden und nur 7 % in Objekten mit Holzbauweise zustande gekommen sind, so ist nach Auffassung des Autors dieser Studie weniger die Bauweise als vielmehr die mobile Brandlast innerhalb der Wohnungen maßgeblich.

Zündquellen und Todesursachen

Hinsichtlich der Aufteilung der Ereignisse nach Zündquellen kann festgehalten werden, dass sehr oft Unvorsichtigkeit und Vergesslichkeit im Spiel sind. So ist es nicht verwunderlich, dass Rauchzeug bei mehr als einem Drittel der Ereignisse brandauslösend wirkte. Darunter fallen jene Brände, bei denen Personen mit einer brennenden Zigarette eingeschlafen sind. Dieser Zündquelle zuordenbar ist auch die sorglose Aufbewahrung von Rauchzeugresten. Zusammen mit den Feuerungen, Herden bzw. Friteusen sowie Kerzen gelangt man auf einen Anteil von 71 % aller Gebäudebrände mit Todesfolgen (Abbildung 3). Ganz generell ist damit die Feststellung zulässig, dass weniger die technischen Defekte als vielmehr die menschlichen Schwächen bei der Brandentstehung eine wesentliche Rolle spielen.

Die Auswertung nach der Todesursache bestätigt die allgemein gemachte Erfahrung, dass Brandopfer eigentlich Rauchtote sind (Abbildung 4). Der Anteil der durch Rauchgasvergiftung zu beklagenden Todesopfer beträgt nämlich 71 %, jener durch Hautverbrennung 17 % und jener durch sonstige bzw. unbekannte Umstände (z.B. körperliche Verletzungen) nur 12 %.

Vergleiche mit anderen Lebensbereichen

Vergleicht man – basierend hauptsächlich auf den jährlich in Österreich veröffentlichten Todesursachenstatistiken – zwölf ausgewählte Risiken anhand der Kennziffer „Tote pro Million Einwohner“, so tritt der Straßenverkehr augenfällig in Erscheinung (Abbildung 5). Danach liefern pro Jahr und Million Einwohner Verkehrsunfälle mit Pkw’s 37, mit einspurigen Kraftfahrzeugen 13, mit Fußgängern 11 und jene mit Radfahrern immerhin noch 5 Tote. Auf Drogenkonsum entfallen 25 und auf Arbeitsunfälle im engeren Sinne 22 Tote pro Million Einwohner. Diese Risiken, aber auch jene beim Wandern bzw. Bergsteigen, beim einfachen Treppensteigen und beim Schwimmen haben in unserer Gesellschaft offenbar eine höhere Akzeptanz als das Brandrisiko. Das Risiko, durch einen Gebäudebrand sein Leben zu verlieren, ist – statistisch gesehen – nämlich als relativ gering einzustufen.

Ausblick und Zusammenfassung

Bei den Bauvorschriften kommt dem Personenschutz in der wesentlichen Anforderung „Brandschutz“ eine herausragende Rolle zu, müssen doch Bauwerke so geplant und ausgeführt sein, dass der Gefährdung von Leben und Gesundheit von Personen durch Brand vorgebeugt wird. Als Indikator für die Erreichung dieser Schutzziele können nach Auffassung des Autors auch die Brandtoten im Zusammenhang mit Gebäudebränden herangezogen und zudem eigene Interpretationen der statistischen Ergebnisse verwendet werden. In den nächsten Jahren wird sich die Altersstruktur in Richtung zunehmendes Lebensalter mit allen damit zusammenhängenden Lebensverhältnissen verändern. Außerdem dürften vermutlich auch die gesellschaftlichen Randgruppierungen zunehmen. Entsprechend der Beobachtung der individuellen Brandabläufe in Verbindung mit Schilderungen der persönlichen Lebensverhältnisse vieler Brandopfer muss nach Auffassung des Autors in der Zukunft mit einem gewissen – vermutlich unvermeidbaren – jährlichen Sockelbestand an Brandtoten gerechnet werden. Das Ziel, etwa durch ständige Verschärfung der Bauvorschriften, die Zahl der Toten bei Gebäudebränden auf „Null“ reduzieren zu wollen, erscheint nach Auffassung des Autors dieser Studie unrealistisch und würde der Bevölkerung eine Scheinsicherheit suggerieren. Gerade der menschliche Faktor, der nicht selten durch gewisse Sorglosigkeiten und Nachlässigkeiten geprägt ist, darf beim Brandgeschehen nicht außer Acht gelassen werden.